“Shattan”

Mein bester Freund, Shattan, ist überall. Hat dieselbe Mutter wie ich, hat alles was ich habe, dieselbe Körpergestalt, und er bewegt sich genauso wie ich. Mach mir nicht alle Sachen nach, du! Geh nicht überall hinter mir, lass mich in Ruhe! Hör auf ich zu sein! Wenn ich die Tür aufmachen will, muss ich mit ihm streiten: Ich werde diese Tür aufmachen, nicht du! Aber wenn ich ihn besser beobachte, ich merke er hat alles doppelt wie ich. Hat zwei mal mehr Dinge als ich, er hat mich und sich, und ihm vergeht die Zeit langsamer. Bei ihm scheint sie stehen zubleiben, oder in eine andere Form zu existieren: aufgeblasen in kleinen durchsichtigen Blumen die ihn umringen, ja, die Zeit. Mach mir nicht alles nach, du, du, du, du, mein dunkler Schatten. Du, Shattan.
 
Er war einst mein bester Freund, doch als ich erfahren habe dass er mir alles nachmacht wurden wir nicht mehr Freunde, dann wurden wir Feinde. Aber es ging noch schlimmer, weil er hat angefangen mir zu sagen mach das und das und jenes und darum mich gezwungen zu schreien: Hör auf deine Macht auf mich zu Üben. Er hat nicht aufgehört, sondern weiter gemacht, daher wurde er mächtiger als ich. Er war mein Schatten und trotzdem mächtiger als ich.
 
Er wurde mehr beliebter als ich, und ich habe ihn beobachtet wie er sich freut und auslebt und sich vergnügt, während ich all seine Leiden auf mir getragen habe. Er hat alles sinnliche genossen und mir blieben die Reste, der Morgen danach, die toten Momenten ausgepumpt von Freude, zwischen ich und ich, diese schweren Momenten, die mich töten. Undefinierbar, ohne mich, ohne Subjekt, wenn ich mein Ego hinterher trage als falschen Besitztum. Ja, ich hab ihn gesehen wie er sich in die falsche verliebt hat, und alles mögliche mit seinem Körper aufgenommen, und trotz allem das ganze Leid ist nur mir geblieben, nur mir. Sie verletzt mich!, hab ich geschrien. Lass sie los! Geh weg von da! Lass die Finger davon! Tue das nicht! Aber er tat immer alles was er wollte, was er für richtig hielt, alles was er mochte, ohne auf mich einen Blick zu werfen.
 
Das ich hier bin, verdanke ich dir, hat Shattan mir gesagt mit einem großen Grinsen im Gesicht. Er machte mir nicht mehr alles nach, er hatte jetzt sein eigenes Leben.
 
Ich hab versucht ihn mit Worten auszutreiben, aber er war stärker. Er war größer und die Welt gehörte ihm. Hör auf, mich in einen Schatten zu verwandeln! Du, du, du…! Hör auf an meiner Stelle zu Leben! Sieht du nicht? Ich hab dich geboren, ernährt und du willst jetzt mich töten.
 
Das ich hier bin, verdanke ich dir, hat er mir gesagt, und weiter gemacht.
 
Und so wurden wir Feinde.

http://atelier.liternet.ro/articol/10252/Simona-Cratel/Shattan.html

http://www.leselupe.de/lw/showthread.php?postid=558477#post558477

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